
Ich wünsche dir Freunde,
die mit dem Herzen sehn,
Augenblicke,
die niemals vergehn
und die innere Freiheit,
nicht alles zu verstehn.
Werner Schneebeli 2025
Louise Arbour, Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, am Welternährungstag 2007.
Jesaja 32, 17 und 18
Aus dem Buch "Jenseits der Gier" der Management-Philosophin Gertrud Höhler
Thomas Müller 1995
Als Pfarrer bin ich kein Finanzexperte, dennoch glaube ich, sollten wir Christen auch aus dem Evangelium heraus Stellung zu unserem Wirtschaften und unseren Umgang mit Finanzdienstleister nehmen. Als Grundlage dient mir dazu das biblische Buch Kohelet und das, was ich selbst unter der Sonne gesehen habe in meinem Bildungsurlaub in Lateinamerika. Der Kohelet (übersetzt der Sammler) hat keine Boni gesammelt. Er sammelte vielmehr Weisheiten.
Kohelet 3, 10 – 15
Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat.
Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die ferne
Zeit hat er den Menschen ins Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk, das Gott
gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen kann.
Ich erkannte, dass der Mensch nichts Besseres zustande bringt, als sich zu freuen am Leben und Gutes zu tun.
Und wenn irgendein Mensch bei all seiner Mühe isst und trinkt und Gutes
geniesst, ist auch dies ein Geschenk Gottes.
Was einmal geschah, ist längst wieder geschehen, und was geschehen wird, ist längst schon geschehen. Gott aber sucht, was verloren ging.
Gott sucht, was verloren ging. Ich denke im Fall von Finanzkrisen sucht er nicht die verlorenen Milliarden, vielmehr die Weisheit, dass grenzenloses Wachstum nicht möglich ist und, dass ein Leben auf Pump grosse Gefahren in sich birgt.
Die neoliberalen Wirtschaftsgesetze haben hier meines Erachtens einen Systemfehler. Die Schöpfung zeigt uns, dass alles in die Kreisläufe von Werden und Vergehen eingebunden ist. Neues kann nur werden, wenn Altes sich hingibt. Auch wir Menschen sind davon nicht befreit. Hingabe gehört auch zu unserem Auftrag. Eine Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen Handeln kann nur erreicht werden, wenn unser Wirtschaften im Gleichgewicht bleibt. Dieses Gleichgewicht ist anzustreben, wenn die Wirtschaft dem Menschen dienen soll, egal ob im Finanz-, Energie- oder Nahrungsmittelmarkt.
Da der Markt selbst immer bis an die Grenzen geht und ihm die Opfer, die sein Regelsystem verursacht egal sind, müssen Staat und Staatengemeinschaften dem Markt Regeln geben. Wenn mit irrealen Finanzgeschäften kurzfristig realer Gewinn gemacht werden kann, wird der Markt diese Bälle ohne Inhalt immer wieder aufblasen, bis sie platzen. Die Krisen, die er damit auslöst, sind ihm egal. Er wird von sich aus die Ölvorkommen aufbrauchen, bis so wenig fliesst, dass die wertvollen Tropfen unbezahlbar werden, egal, was das für das Klima dieser Erde heisst. Der Markt hat kein Gewissen und er reagiert erst, wenn die Folgen bereits in der Realität angekommen sind.
Der Kohelet spricht vom Geniessen der erarbeiteten Ernte. Auch dies sei ein Geschenk Gottes. Dabei meint er aber nicht das Geniessen auf Pump oder das Geniessen einer Ernte, die nicht wirklich vorhanden ist. Er meint auch nicht das Verschwenden von Ressourcen oder das Leben auf zu grossem Fuss. Systeme, welche keinen realen Mehrwert produzieren, das Leben ganzer Gesellschaften auf Pump, und das Mehrverbrauchen, als das die Erde hergeben kann, führen unweigerlich zu Zusammenbrüchen.
Wenn wir nun diese neoliberalen Regelsysteme des sog. freien Marktes immer wieder mit Staatsgeldern retten, ohne klare Weichenstellungen und Vorgaben, werden wir unseren Kindern einen Bärendienst erweisen. Die Staatsverschuldung verschiebt den Zusammenbruch der Systeme nur auf später.
Das heisst: Keine Hilfe, wenn nicht zugleich das Wirtschaftssystem Regeln erhält, damit es Nachhaltig dem Leben dient und keine Opfer in Kauf nimmt. Die Hilfe soll Opfer verhindern, aber nur wenn sie Nachhaltig ist und die Opfer nicht die kommenden Generationen sind.
Veränderungen sind nötig und das kann auch heissen, den Gürtel etwas enger zu schnallen. Löffeln wir also die Suppe selbst aus, die wir uns eingebrockt haben mit der Wahnvorstellung, dass unbegrenztes Wachstum möglich ist und dem Irrglauben, dass der Markt sich selbst so regelt, dass er letztlich allen Menschen und allem Leben dient.
Werner Schneebeli